Gesetze, Schutzzonen und entschlossenes Handeln
Haischutz ist Meeresschutz
Haie durchstreifen unsere Ozeane seit über 400 Millionen Jahren – lange bevor es Dinosaurier gab. Doch heute stehen viele Arten kurz vor dem Aussterben. Um diese faszinierenden Tiere zu retten, müssen wir verstehen, warum sie für unser Ökosystem unverzichtbar sind und wie internationale Gesetze zu ihrem Schutz beitragen können. Unser Netzwerkpartner SHARKVOICE fasst hier die aktuellen Erkenntnisse zusammen: Der Schutz der Haie ist keine reine Artenschutzmaßnahme, sondern überlebenswichtig für das Gleichgewicht der gesamten marinen Welt.
Architekten des Ozeans: Warum Haie unverzichtbar sind
Haie stehen an der Spitze der marinen Nahrungskette. Als Spitzenprädatoren erfüllen sie die Rolle der „Gesundheitspolizei“ der Meere. Indem sie vor allem kranke, alte und schwache Tiere fressen, verbessern sie die Fitness der Fischbestände und dämmen Krankheiten ein.
Fehlen diese Regulatoren, droht ein gefährlicher Kaskadeneffekt. Pflanzenfressende Fische oder andere Meeresbewohner könnten sich ungebremst vermehren. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Atlantikküste der USA: Der Rückgang der Haie führte dort zu einer Überpopulation von Kuhnasen-Rochen. Diese wiederum dezimierten die Austern- und Jakobsmuschelbestände, was der lokalen Fischerei massiv schadete. Ohne Haie sterben letztlich Seegraswiesen und Korallenriffe ab – sensible Ökosysteme, die auch für uns Menschen von enormer Bedeutung sind.
Hinzu kommt ein oft übersehener Faktor: Haie sind natürliche Kohlenstoffspeicher. Wenn sie eines natürlichen Todes sterben, sinken ihre Körper auf den Meeresgrund und binden dort Kohlenstoff. Werden sie jedoch massenhaft abgefischt, wird dieser natürliche Kreislauf unterbrochen.
Bedrohung: Profitgier und Beifang
Jedes Jahr werden schätzungsweise über 100 Millionen Haie getötet. Oft fallen sie dem brutalen „Finning“ zum Opfer, bei dem ihnen bei lebendigem Leib die Flossen für Haifischflossensuppen abgeschnitten werden. Andere verenden als ungewollter Beifang in den riesigen Netzen und an den Langleinen der industriellen Fischerei. Die Überfischung ist für Haie besonders fatal. Viele Haiarten wachsen langsam, werden spät geschlechtsreif und haben nur wenige Nachkommen. Sie können die massiven Verluste durch die Fischerei schlichtweg nicht schnell genug ausgleichen.
Können Gesetze Haie wirklich schützen?
Da Haie Ozeane durchqueren und sich nicht an Staatsgrenzen halten, reicht nationales Recht nicht aus. Wirksamer Haischutz erfordert ein Zusammenspiel auf internationaler Ebene. Das Fundament bildet das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS), das durch neue Instrumente wie das 2026 in Kraft getretene UN-Hochseeschutzabkommen (BBNJ) ergänzt wird. Dieses neue Abkommen ermöglicht endlich die Einrichtung großflächiger Meeresschutzgebiete (MPAs) auf hoher See.
Eine Schlüsselrolle in der Praxis spielen die Regionalen Fischereimanagementorganisationen (RFMOs). Sie verwalten jene Fischbestände, die sich über Grenzen hinwegbewegen. In den letzten Jahren haben RFMOs wichtige Haischutz-Instrumente etabliert:
• Finning-Verbote: Haie dürfen oft nur noch mit intakten Flossen angelandet werden.
• Fangverbote: Besonders bedrohte Arten (wie der Weißspitzen-Hochseehai) dürfen weder gezielt gefischt noch als Beifang behalten werden.
• Schonende Fangmethoden: Vorgaben zum gefahrlosen Entfernen von Haken und das Verbot von Drahtvorfächern sollen die Überlebensrate von Beifang erhöhen.
Trotz dieser Fortschritte gibt es noch erhebliche Schwächen des Systems. Entscheidungen in RFMOs werden oft im Konsens getroffen, wodurch Staaten mit starken Fischereiinteressen strenge Schutzmaßnahmen blockieren können. Zudem bringen die besten Gesetze nichts, wenn sie national nicht konsequent umgesetzt werden, die Kontrollen (Monitoring und Beobachter) fehlen oder illegaler Fischerei (IUU) nicht Einhalt geboten wird. Oft vergehen Jahre zwischen der Warnung der Wissenschaft und der politischen Umsetzung – wertvolle Zeit, in der Bestände weiter kollabieren.
Was muss passieren?
Haischutz bedeutet Meeresschutz im Ganzen. Wenn wir Haie schützen, sichern wir die Artenvielfalt, unsere eigene Ernährungssicherheit und das Klima unseres Planeten. Um dies zu erreichen, müssen verschiedene Bausteine ineinandergreifen:
• Strenge, wissenschaftsbasierte Quoten und riesige, kontrollierte Meeresschutzgebiete.
• Stärkere Kontrollen und Sanktionen auf internationaler Ebene, um illegale Fischerei zu stoppen.
•Ein neues Image: Wir müssen aufhören, Haie als gefährliche Monster zu betrachten. Sie sind hochentwickelte Tiere, die unseren Respekt verdienen.
•Unsere eigene Verantwortung: Als Konsumenten können wir durch den Kauf von zertifiziert nachhaltigen Meeresprodukten aktiv Druck auf den Markt ausüben.
Gemeinsam – durch politische Arbeit, Aufklärung und bewusste Entscheidungen – können wir die Ozeane für kommende Generationen bewahren. Jeder Beitrag zählt: Schütze die Haie, schütze das Meer.
SHARKVOICE vermittelt Wissen, dass Haie und die Ozeane schützt, stellt Bildungsprogramme zum Thema zur Verfügung und ist offen für jede Anfrage: Ob Vorträge in Schulen, Vereinen, Unternehmen oder bei Events, schickt einfach eine Mail an